Subterran
Für „Subterran“ entwarf Jochen Damian Fischer einen sechs Meter langen Tunnel unter der Erde. Über eine Treppe soll der Besucher auf diesen mit Wellstahl verkleideten Weg in die Unterwelt geleitet werden. Der Tunnel und dessen Verlauf sind von außen nicht zu erkennen.
Der schmale Weg führt über zwei Knickstellen in das Innere eines Zylinders: Es ist das Gefühl, eine Parallelwelt zu betreten – aufregend, beklemmend. Der kreisförmige Raum hat eine Höhe von sieben Metern. Er ist zum Himmel geöffnet – die einzige Lichtquelle in diesem Raum innerhalb des Erdreichs.
Durch den Übergang von einem engen dunklen, unterirdischen Raum in eine breite, zum Firmament geöffnete Röhre erlebt der Besucher eine Brechung der Dimensionen. Neben dieser visuellen Erfahrung, verbunden mit der Haptik und den Gerüchen dieser konstruierten „Unter-Welt“, macht der Besucher eine ihm vermeintlich fremde auditive Erfahrung: im Tunnel werden sämtliche Außengeräusche gedämmt, im Innenraum des Zylinders verstärkt. Der Titel „Subterran“ kommt aus dem Lateinischen (sub = unter; terra = Erde). In der Geologie gilt „subterran“ als ein Synonym für den Begriff „unterirdisch“. Eben dieses Erleben will der Künstler uns ermöglichen.
Skulptur von Jochen Damian Fischer
Jochen Damian Fischer wurde 1984 in Emmendingen geboren.
Er erschafft in seinen plastischen Arbeiten eine Umkehrung der Wertung zwischen Ober- und Unterwelt. Der Künstler erobert unterirdirsche Räume - Plätze, die unserem urbanen Leben zugeordnet sind – und ermöglicht dem Betrachter den Zugang zu einer Zwischenwelt. Er erforscht den nicht sichtbaren Untergrund unserer Städte mit seinen ganz eigenen Gegebenheiten, ihrem ganz eigenen Charakter – und macht das für den Betrachter üblicherweise Unsichtbare erfahrbar.
In Fischers Werken spielt die Raumwahrnehmung und die Wirkung des Raumes auf den Betrachter eine zentrale Rolle. Der Künstler verbindet in seiner Arbeit die verschiedenen Elemente: Für Subterran („unter der Erde“) schafft er ein Raum-gebilde, was es ihm erlaubt, einen Wechsel der Dimensionen, des Lichts und der erfahrbaren Elemente zu herzustellen.
Rückblickend begann die künstlerische Arbeit von Jochen Damian Fischer damit, dass er tatsächlich zwischen 2011 und 2014 in die urbane Unterwelt abtauchte“ und eine Reihe von Arbeiten in den Rohren und Schächten der Kanalisation entwickelte. Die isolierten Räume mit ihrer Dunkelheit, ihrem ganz eigenen Raumgefühl und ihrer Fremdheit inspirierten den jungen Künstler zu seinen plastischen Arbeiten.
Die Thematik seiner Werke lässt in gewisser Weise den eigenen Weg, den Werdegang des Künstlers erkennen. Der junge Jochen Damian Fischer interessierte sich bereits früh für Musik, Punkrock und die alternative Szene Freiburgs bestimmten bald darauf sein Leben. Er machte eine Ausbildung zum Erzieher und studierte für einige Semester Kunstpädagogik, bis er den Weg als freier Künstler wählte. In seinen Arbeiten interessieren ihn alternative Welten und die Möglichkeit, gewohnte Denkmuster in Frage zu stellen. Arbeiten wie Abflusszelle (2013), in der er in einer ehemaligen Gefängniszelle einen Kronleuchter installiert und einen Gullideckel am Boden von untern beleuchten lässt, wirken surreal und brechen Denkmuster auf. Gleichzeitig steht der Mensch immer im Mittelpunk seiner Werke – entweder beziehen sie sich konkret auf den Menschen selbst oder hinterfragen seine Wahrnehmung, sein vermeintlich festgesetztes Denken. Fischers Werke laden ein zu einem Umdenken, einem Aufmerksam-Werden und einem Hinterfragen der Regeln unserer feststehenden Welt.
Der Künstler lebt und arbeitet in Stuttgart und ist neben seiner künstlerischen Arbeit nach wie vor als Schlagzeuger aktiv.
Weitere Infos zur Künstlerin finden Sie unter www.jochendamian.de
- Erbaut 2019
- H 7 x B 6 x L x 5 m
- Stahl, Beton, Schotter, Erde