Retrograde Umgestaltung
Eine gefällte Eiche aus der unmittelbaren Umgebung wurde in Bretter zerlegt, einem Stahlkern angepasst und anschließend wieder zu einem Ganzen zusammengesetzt.
Die ursprüngliche Form der Eiche hat nichts mehr gemeinsam mit der Form des skulpturalen Baumes, der sich als Stamm mit geschälter Rinde aus dem Boden erhebt. Lamellenartig zersägt, umfasst der Eichentorso einen Fremdkörper, der mit seinen stählernen Ablegern aus dem Stamm herausragt und den gewaltigen Eingriff sichtbar macht. Der Baum erweckt den Eindruck, unvollendet oder gar tot zu sein, kommt also nie an die Schönheit eines lebenden Baumes heran. Das Kunstwerk ist den natürlichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Die Stahlableger werden im Laufe der Zeit rosten und in einem Prozess der Veränderung ihr ursprüngliches Aussehen verlieren.
Der Künstler setzt sich in seinem Werk mit dem widersprüchlichen Verhältnis des Menschen zur Natur auseinander. Durch Zersiedelung, Versiegelung des Bodens oder Umweltverschmutzung zerstört der Mensch die Natur. Im gleichen Zuge schafft er Naherholungsgebiete, renaturiert Flüsse und schützt sich vor Naturkatastrophen.
Destruktion schafft die Voraussetzung für Renaturierung. Diese kommt allerdings in keiner Weise an den ursprünglichen Zustand der Natur heran. Die retrograde, also rückläufige Umgestaltung wird zum Sinnbild der Wechselwirkung von Zerstörung und Kreation, von Beständigkeit und Veränderung.
Skulptur von Daniel Beerstecher
Daniel Beerstecher wurde 1979 in Schwäbisch Hall geboren.
Nach Praktika bei verschiedenen Künstlern begann Daniel Beerstecher 2003 sein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Werner Pokorny und Prof. Udo Koch. Inspirierend für seine Arbeit ist eine Reise zu Fuß und ohne Geld von Flensburg nach Basel aus dem Jahr 2004. Im Jahr 2007 studierte er an der Tokyo National University of Fine Arts and Music in Tokio (Japan). 2017 erhielt er ein Arbeitsstipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris.
Weitere Infos zum Künstler finden Sie unter www.danielbeerstecher.com
- Erbaut 2005
- H 4,5 m
- Holz, Stahl