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Ausgrabung

Shinroku ShimokawaShimokawa macht in vielen seiner Werke das Zusammenwirken von Aufbau und fertigem Werk sichtbar.

Der überdimensionale Granitstein von 16 Tonnen auf dem Skulpturenradweg ist bis zur Hälfte in der Erde begraben. Die Form des Steins unterscheidet sich von einem Findling. Er wird vom Künstler bearbeitet, folgt jedoch keiner figürlichen Form, sondern weist lediglich Spuren einer menschlichen Bearbeitung auf. In unmittelbarer Nähe zum Stein befindet sich ein Werkzeugstand, in dem Schaufeln, Spaten und Bürsten aufbewahrt werden. Der Besucher kann mit diesen Werkzeugen die Ausgrabung weiter fortführen und einen Teil der Skulptur freilegen. Es handelt sich nicht um eine Ausgrabung zu Forschungszwecken, sondern um eine „lustvolle Suche nach dem Verborgenen“. Das Ziel ist der Prozess, die Partizipation des Besuchers, und dessen Vorstellungskraft anzuregen. Dass der Betrachter dabei tatsächlich selbst aktiv wird, ist nicht zwingend notwendig.

Es kommt Shimokawa vielmehr auf den gedanklichen Prozess an: der Ausgrabungsprozess kann auch nur gedanklich fortgeführt werden. So wird der Betrachter Teil der künstlerischen Arbeit, er bestimmt das Kunstwerk so ein Stück weit selbst mit und wird Teil der Skulptur. Interessant ist es hier, wieder auf die typische Nutzung des Materials Steins zurückzukommen: Der Mensch verwendet ihn zum Hausbau, zum Bau von Straßen oder Brücken. In „Ausgrabung“ wird der Mensch (wieder) selbst aktiv und legt den Stein langsam frei.

Skulptur von Shinroku Shimokawa

Der Künstler

Shinroku ShomokawaShinroku Shomokawa wurde im Jahr 1979 in Tokyo geboren.

Er studierte in seiner Heimatstadt Tokyo Kunst mit Schwerpunkt Bildhauerei. In Deutschland studierte er danach an der Kunstakademie Stuttgart Bildende Kunst bei Prof. Udo Koch, wo er 2015 mit dem Diplom abschloss.

Shimokawa verbindet in seinen Arbeiten den Umgang mit der Skulptur und ihren unterschiedlichen Materialien mit den Möglichkeiten der Partizipationskunst.

Sein künstlerisches Interesse wird vom Stein und den Möglichkeiten seiner Bearbeitung bestimmt: Er lotet seine Vielschichtigkeit aus, stemmt, schleift, trägt ab und setzt den Stein am Ende in einen neuen Zusammenhang. Er setzt damit Impulse für eine neue Richtung in der Bildhauerei. Shimokawa sagt über seine Arbeit und seinen Umgang mit dem Material: „Wenn ich einen rohen Steinblock betrachte, dann denke ich immer daran, wie viel Zeit und Geschichte der Stein in sich trägt. Obwohl der Bildhauer dem Stein eine Form geben wird, bleibt es doch immer genau dieser Stein, auch in Zukunft. Er bekommt möglicherweise eine andere Gestalt, verändert aber sein Wesen nicht. Ich verbringe Zeit mit dem Stein, versuche ihn zu bewegen, zu tragen, zu klopfen und zu schleifen. Am Ende weiß ich, dass ich dabei selbst vom Stein geformt wurde.“ Es geht dem Künstler um die Erfahrung mit dem Material, um dessen Reaktionen, um den individuellen Prozess, das skulpturale Handeln und die präzise Formfindung. Trotz seiner Dichte, Härte und Schwere wohnt dem Material Stein doch immer auch – im Gegensatz zum Stahl – eine ihm eigene Verletzbarkeit inne.

Das Material Stein wird (noch immer) vorzugsweise zum Hausbau oder zum Bau von Straßen genutzt; wir verlassen uns auf seine Stabilität. Das Moment der Arbeit oder der Bearbeitung bestimmt damit im Wesentlichen das Verhältnis des Menschen zum Stein. Shinroku Shimokawa spielt mit dieser menschlichen Empfindung: Er lässt dem Stein die ästhetische Qualität seines Materials, bearbeitet nur leicht seine Oberfläche und versetzt den Stein – und den mit ihm verbundenen Gedanken der „Arbeit“ – in einen ganz neuen Kontext.

Weitere Infos zum Künstler finden Sie unter www.shinrokushimokawa.com

Über die Skulptur
  • Erbaut 2019
  • Granitstein, Schaufel, Werkzeugstand